Sonntag, 8. Juli 2012

Don't Mess with ME~

Das Kapitel:Vom abgewanten Glauben

Wie geh-faul sie auch war, doch an diesem glorreichen Tag musste sie einfach zu Fuß gehen. Die Leute warfen verdutzte Blicke auf die so historisch gekleidete junge Frau. Ihr Gang, schnell aber kräftig, aber nicht vulgär! Sie ging elegant, jeder Schritt überlegt gesetzt. Die Blicke erfreuten das Mädchen. Sonst so bedacht nicht aufzufallen war es heute ihr oberstes Ziel. Die Leute sollten sehen wie großartig sie ist! Sie wohnte in einer angesehenen Gegend, die Grundstücke sind nicht billig. Sie ging auf eine Neureichen Schule und war mit den Kniggeregeln vertraut. Damals, als ihr Vater noch in der Firma arbeitete, nahm er sie und ihre Mutter oft zu den Dienstreisen mit. Fast in allen größeren Städten Deutschlands war sie gewesen. Hamburg, München, Hannover. Um nur wenige zu nennen. Sie hätte das Recht hochnäsig und verzogen zu sein, doch blieb sie trotzdem all die Jahre so bescheiden und protzte nicht mit dem was sie hatte. Nun soll sich aber auch das ändern. Mit dem Gewinn, mit dem Erbe würde sie eine neue Epoche in ihrem Leben starten wollen. Sie will all das repräsentieren was sie liebt, hasst, verleugnet und erfreut! Sie musste breit grinsen, bei den Gedanken. Sie als die Königen eines eigenen Reiches. Sie will ins Rathaus einmarschieren, den Bürgermeister aufsuchen und den Preis für ihre kleine Stadt in Erfahrung bringen. Eine Stadt selbst bauen? Wäre eine nette Idee, doch sehnte sie sich nach der alten Ritterstadt, die sie in ihren Geschichten und Sagen so verherrlichte. Sie will das Gebiet der goldenen Glöckchen wieder zu dem Ruhm verhelfen, die das Naziregime damals zerstört hatte. Sie würde all die Unterdrückung der alten Traditionen aufräumen, den Willen des alten Ritters der Legende nachkommen. Und selbst wenn es nur für einen Stadtbezirk reicht, so will sie ihn zur Selbstständigkeit verhelfen und Europaweit bekannt machen. Niemand soll arbeitslos sein, vor allem die nicht, die gar nicht arbeiten wollen. Die Waschlappen Politik hört mit ihrer Ära auf! Eine neue heronische Demokratie soll geboren werden, wo man nicht zögert sondern macht.
Sie blieb stehen. Neben ihr erstreckte sich die alte Kirche in den Himmel. Sie betrachtete sie. Diese Kirche ist die erste und wahrscheinliche einzigste Kirche der ganzen Stadt, die ihr so am Herzen liegt. In ihr wurde damals der Trauergottesdienst ihrer Freundin gemacht. Die Kirche war groß, doch hatte das Mädchen damals das Gefühl, als wäre das Volumen in ihr drei mal größer. Sie war überwältigt von den Malerrein und den bunten Fenstern. Sie ist nicht getauft und ihren Glauben hatte sie schon lange verloren. Sie empfand die vielen Tode ihrer Liebsten als ein Unrecht Gottes. Als sie klein war und von dem unglaublichen Gott hörte, der IMMER seine schützenden Hände um einen hat und kein Leid und Kummer an einem ran lässt, widmete sie ihr Leben diesem Gott. Sie fing an Abendgebete zu machen, legte all ihren Glauben an ihn. Sie wiedersprach der Wissenschaft und war fest überzeugt, das dieser Gott alles erschaffen hatte. Sie war sehr gläubig.
Sie wendete ihren Blick von der Kirche ab und ging weiter in die Stadt. Heute will sie noch nicht mal eine Bibel ansehen, geschweige denn sie an zufassen oder gar zu lesen! Lügengeschichten die einem das Hirn mit einem Allmächtigen vergiften. Sie fand das selbst als ungläubige hart ausgedrückt, doch anders konnte sie ihre Erkenntnis, dass es keinen Gott gibt, nicht erklären.
Die Altbauten wichen Plattenbauten, die billige Alternativen nach dem zweiten Weltkrieg waren. Heute gibt es aber auch kaum noch Leute die das Fach der Fassadenverzierung beherrschen. Wenn ihr Vorhaben klappen sollte, würde sie diesen alten und angesehenen Beruf wieder aufleben lassen.
Ein kräftiger Wind wehte und Wassertropfen vom Neptunbrunnen zerstäubten sich auf ihrem Gesicht.

Sie war endlich am Rathaus angekommen.


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