Das Kapitel: Verführerische Schnappschüsse
Sie war endlich am Rathaus angekommen. Es war wahrscheinlich das Einzigste Rathaus der Welt, was als Kneipe, Restaurant und Kleinladenherberge diente. Wenn sich ihr Vorhaben bewirktlicht, würde sie erstmal das Rathaus wieder die Funktion eines Rathauses geben und diese "Assiläden" schließen lassen.
Sie ging die Stufen hoch und wurde erprobt am Bein gepackt. Eine ältere Dame im Schlafsack hatte sich ihr Bein gekrallt und brüllte sie unverständlich an. Sprach die überhaupt eine richtige Sprache?
Die alte Frau wirkte Wütend und schlug ständig mit ihrer Hand auf das Mädchen ein, zupfte an ihrer Kleidung und versuchte ihr in das Bein zu beissen, was ihr wegen ihrer wenigen Zähne unmöglich war.
Angewidert trat das Mädchen einmal kräftig zu. Die Wucht befreite sie aus dem Griff der alten Hexe und brachte sie zum schweigen. War sie etwas empört über diese Reaktion?
Noch mal einen verachtenden Blick auf sie werfend, trat das Mädchen ins Rathaus ein.
Sie war vorher in ihrem Leben nie im Rathaus drin gewesen. Es wirkte Mittelalterlich, wie das äußere Erscheinungbild, wenn man von der Kneipe und den Läden absieht.
Sie ging zögernd einen langen Flur entlang, der mit einem roten Teppich versehen war. Sie sah sich die Bilder an den Wänden an, die alle Persönlichkeiten zeigten, die ihr aus der Geschichte ihrer Stadt nicht bekannt waren. Vielleicht die Verwandtschaft des Bürgermeisters? Sie kam an einer schweren Eichenholztür an. Sie hob die Hand und klopfte. Ob das überhaupt das richtige Zimmer ist?
Es kam keine Antwort. Das Mädchen war ratlos. Nun hat sie den weiten Weg gemacht um vor einem leeren Zimmer zu stehen? Was ist das überhaupt für ein verweistdes Rathaus?! Sie drückte die Türklinke runter. Welch ein Zufall, die Tür war unverschlossen! Sie machte die Tür vorsichtig auf. Ein Zimmer voller Bücherregale kam zum Vorschein. Eine Bibliothek? Ihr Blick schweifte nach rechts. Dort erblickte sie einen massigen Schreibtisch, wo eine streng dreinblickende Frau saß und hektisch auf einer Schreibmaschine tippte.
"Wer schreibt denn heute noch mit Schreibmaschinen?!", huschte es dem Mädchen leise heraus.
Die Frau sah zu ihr rüber.
"Haben sie einen Termin?", fragte sie unfreundlich.
Was für eine Schreckschraube! Das Mädchen streckte den Rücken durch und "stolzzierte" ins Zimmer.
"Nein habe ich nicht, der Wichtigkeit meines Besuches aber zu urteilen, ist glaube ich auch kein Termin von nö..."
"In Dezember hätte der Herr Bürgermeister wieder Zeit," unterbrach die Frau und hiefte ein riesiges Terminbüchlein (!?) auf den Schreibtisch.
"Sie hätten dann 15 Minuten, die sie mit ihm sprechen können, danach muss er zur einer Stiftung, um eine Rede zu halten."
Das Mädchen fasste sich am Kopf.
"Wir haben aber JUNI! So lang kann ich nicht warten!"
Die Frau richtete ihre Brille.
"Dann haben sie halt Pech gehabt!"
Oja...Pech. Vielleicht sollte sie mal einen Pott voll heißem Pech überm Kopp bekommen.
Das Mädchen konnte sich ein Knurren nicht verkneifen.
"Die Tür da, ist das sein Büro?", fragte das Mädchen, die die Tür schon länger betrachtete.
"Und selbst wenn es das wäre?", fragte die grimmige Frau.
Das Mädchen gab keine Antwort, sie war schon zur Tür gestürmt und öffnete die Tür um einzutreten.
"Sie können da nicht rein! Er ist gerade in einer Sitzung!", krakeelte die Frau, doch das Mädchen war schon im Raum drin und schluckte.
Der Bürgermeister war auf allen Viehren, nur noch mit seiner Unterwäsche gekleidet. Eine Frau mit Peitsche und schwarzen Lederklamotten saß auf ihn und war gerade im Begriff mit der Peitsche aus zu holen.
Reflexartig zückte das Mädchen ihr Handy und schoss gleich mehrere Fotos.
Der Bürgermeister realisierte es noch nicht und brachte nur überraschte Ausrufe von sich.
So was wie:
"Wer sind Sie!?"
Oder:
"Was machen Sie hier!?"
Und die schöne Bemerkung:
"Machen Sie da etwa Fotos!?"
Es amüsierte sie.
"Sagen sie doch erstmal Cheese!", gab sie als Kommentar und schoss noch ein letztes Foto. Die Domina machte sogar ein
Victoria Zeichen, ein wirklich nettes Bild.
Der Bürgermeister biss beschämt seine Zähne zusammen.
"Was wollen Sie?"
Das Mädchen lächelte nett.
"Ich will mit Ihnen verhandeln."